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Ja, diese ganzen Formen alle hinzuschreiben, das ist einfach doof (sorry) und soll nicht so bleiben. Ich will noch dies oder das ausprobieren und änder das demnächst.
Nun, die Schriftsprache deckt auch ein wirklich breites Spektrum ab. In journalistischen Hintergrundartikeln findet sich manch freche Formulierung, mit der man heutzutage bestenfalls noch passionierte Betschwestern erschrecken könnte - so es sie denn gäbe. Diese Form von Schriftsprachlichkeit, der es um Lebendigkeit, Kraft und Farbigkeit im Ausdruck zu tun ist, scheint jedenfalls nicht gemeint zu sein. 'Wie man auf der Straße sagt', ist in meinen Augen eine etwas naserümpfende Bezeichnung für die Redeweisen, die man überhaupt sagt = spricht, in der Familie, am Arbeitsplatz, in Schule und Uni, in der Kneipe, und eben nicht nur auf der 'Straße'. Wir reden üblicherweise nicht in so gemessenen Worten wie der Bundespräsident vor dem Mikrofon. Ich hab halt einen gewissen Horror vor auf Keimfreiheit getrimmter Sprache, die finde ich sowas von unnatürlich und ohne Seele, das mag ich nicht. 'Betulich' nanntest du das, schöne Selbstbeschreibung. Klingt für mich tatsächlich immer wieder herrlich gouvernantenhaft, wenn man wieder und wieder gesagt bekommt: 'Du sollst doch diese schlimmen Wörter nicht benutzen, das ist hässliche Sprache. Sprich in schöner Sprache, du gibst doch auch das schöne Händchen.'

Davon ab: 'verulken' hat sicher auch seine sprechsprachlichen Seiten, ich benutze es nur nicht, warum auch immer, sondern irgendeinen anderen Ausdruck aus der Galerie. 'Zum Besten halten' finde ich noch besser als 'auf den Arm nehmen', und sehr neutral übrigens, weitab von Straßensprache.

Redensarten sind für meine Begriffe nicht umschreibend, sie heben einzelne Aspekte hervor und machen sie oft schlagartig bewusst, allerdings nur, wenn man drüber nachdenkt. Solange sie automatisiert benutzt, bleiben sie ohne Witz. Wie könnte man etwas treffender ausdrücken als 'wer zuerst kommt, mahlt zuerst' oder 'gucken wie ein angestochenes Kalb' oder oder oder...
Ich hab's jetzt nicht nachgesehen, geht ja auch nicht um Rechthaberei: 'verulken' bedeutet für mich mehr 'sich lustig machen über', 'jemanden verulken' wäre zwar schon 'ihn zum Narren halten', oder auch 'nachäffen', um seine Späße mit ihm zu treiben. Allerdings kommt das in meiner Sprachumgebung eher seltener vor. Standardausdruck für mich wäre 'auf den Arm nehmen', ist zwar redensartlich, aber recht neutral, auch wer den Ausdruck nicht kennt, wird ihn vermutlich - je nach Kontext - schnell verstehen, anders als 'verulken'. Am meisten benutzt wird vermutlich 'verarschen', deswegen steht's ja auch in der Suchwortliste von Daniel ganz weit oben. Dass Daniel 'auf den Arm nehmen' auf 'umgangssprachlich' gesetzt hat, naja, er stuft halt alles Redensartliche runter, so als gäbe es in der Standardsprache keine Redensarten.
Ja, hatte ich vorher auch mal gemacht, funktioniert einigermaßen, aber diese Klammer-Schreibweise irritiert, außderdem ist 'nächstes' nicht mit dabei und wird wohl auch nicht gefunden, hab's mal mit 'teste(r)' ausprobiert, 'testes' findet nicht 'teste(r)'. Alles extra aufzuzählen irritiert allerdings auch sehr.

Ach so, und diese festen Verbindungen liste ich im Großen und Ganzen sowieso separat.
Das Problem ist auch in Duden nicht gelöst, 'nächster' findet man nur, wenn 'nächste' eingegeben wird. Wer weiß, was alles darunter fällt. Bei aus Partizipien 1 abgeleiteten Adjektiven mit ähnlicher Bedeutung (Festlegung der Reihenfolge) gibt es eine Art Neutralform, z.B. 'folgend', '(sich) anschließend', auch wenn das nur eine Ausgangsform zur Bildung der deklinierten Formen ist. Aber bei den im Titel dieses Postings genannten gibt es sowas nicht. Alle mit einander können nur in festen Verbindungen 'alleine' als Determinant fungieren ('nächste Woche' okay, aber 'nächsten Tag' nur regional, 'nächste Stunde' mir unbekannt) und niemals prädikativ (*der IC 677 ist nächst / nächster). Ein Verweis auf Variabilität und und Nennung der anderen Formen im Kommentar löst nicht die grundsätzliche Frage, welche der fünf Formen (nächster, nächste, nächstes, nächsten, nächstem) überhaupt eingetragen werden soll, denn eigentlich sind sie gleichberechtigt. Gut, 'oblique' Fälle schließen wir aus, bleiben die drei Nominative, wie in Wörterbüchern üblich. Ich sehe vorerst als einzige Möglichkeit, alle drei einzutragen. vielleicht wird irgendwann mal der Suchalgorithmus dahingehend verändert, dass bei Suche nach 'nächster' auch 'nächste / nächster / nächstes' angezeigt wird, was im Moment nicht zu funktionieren scheint.
'Verwaltungsdeutsch' wurde als Tag mal gelöscht, ich tue mich aber schwer damit, typische Floskeln aus AGBs mit 'Amtsdeutsch' zu kennzeichnen, denn Privatunternehmen sind nun mal keine Ämter, und ein Wort, das alles drei bedeutet, scheint es nicht zu geben, oder? Und juristisch im engeren Sinne ist sowas wohl nicht, auch wenn einmal die Präposition 'unbeschadet' als 'juristisch' getaggt wurde.

Duden meint: Amtsdeutsch = "gespreizte, umständliche, unanschauliche Ausdrucksweise, wie sie oft formelhaft in Ämtern verwendet wird". Wikipedia meint: "Zum anderen bezeichnet Verwaltungssprache (umgangssprachlich auch Beamtendeutsch oder Amtsdeutsch) eine sehr förmliche Ausdrucksweise, wie sie häufig im Schriftverkehr von Behörden und Verwaltungen, aber auch in vielen Privatfirmen verwendet wird. Der Duden verwendet zur Kennzeichnung von Verwaltungssprache den Ausdruck Papierdeutsch."

Vielleicht bleiben wir am Ende doch bei Amtsdeutsch...
Und: Bei dem ganzen Zusatzapparat (Ober-, Unterbegriffe, Assoziationen, Gegenteile) werden immer nur die ersten drei angezeigt, da kommt die Hauptform oft irgendwann unter ferner liefen und ist jedenfalls erst mal unsichtbar. Z.B. gibt's ne Assoziation zu 'übernachten', da steht dann 'hausen (abwertend) - jemandes Zuhause sein - leben', und da kann man dann rätseln: Ist da jetzt 'schlecht untergebracht sein' gemeint, oder 'existieren' oder 'vegetieren' oder irgendwas mit 'Haus'? Alles wäre schlagartig klar, wenn vorne 'wohnen' stünde. Wie ich bereits schrob, vorne sollte nichts Irritierendes stehen, und 'hausen (abw.)' für eigentlich 'wohnen' ist irritierend. Und dieses 'hausen' mit der Krücke 'ugs.' nach hinten zu verfrachten - was ich jedoch für unkorrekt hielte - würde das grundsätzliche Problem nicht lösen, dass man oft nicht weiß: Worum geht es hier überhaupt? Außerdem ist es eine hochautomatisierte Unterroutine unserer Lesegewohnheiten, dass vorne der Titel steht. Man könnte dem Rechnung tragen.

Ich möchte in Zukunft so verfahren, dass da, wo aus den ersten drei Einträgen einer Gruppe das Thema nicht hervorgeht, oder wo ein User aus anderen Gründen in seinen Annahmen über das Thema irregeleitet wird, eine 'Hauptform' nach vorne gestellt wird, damit man sofort sieht, um was es geht.
Volle Zustimmung, genau so erleb ich das auch hier und da.
Was den Punkt 'Hauptform nur bei großen Gruppen' angeht: Ich weiß ja nicht, wie ihr lest, aber ich lasse mir nicht mehr jedes Wort auf der Zunge zergehen. Wenn ich eine Gruppe mit sagen wir 8 Wörtern habe und die Normalform steht am Ende und vorher nur sone Art Verwaltungschinesisch oder technizistisches Spezialistenvokabular, dann irritert das schon sehr und ich weiß erst mal gar nicht: Worum geht es hier überhaupt? Ich finde, auch bei kürzeren Gruppen kann eine Art Überschriftswort oft sinnvoll sein, wohl nicht immer, aber oft.

Vorne sollte außerdem nie ein Fremdwort stehen, oder was Bildungssprachliches, wenn es was anderes gibt. Es sollte einfach nichts vorne stehen, das irritieren könnte. Am besten wäre eine komplette Sortierung nach wahrscheinlicher Gebrauchsfähigkeit, das geht aber erst mal nicht. Zur Erinnerung auch: Es geht nicht ums Auffinden, da sind die Suchmechanismen hier ganz gut dabei, sondern u.a. auch darum, demjenigen, der ein neues Wort eintragen will, Orientierung zu geben: Es geht hier um die Automarke Trabant, um nichts anderes. Das Thema soll gesetzt werden. Es gibt hier viele Fälle, wo das Thema von Mitmachern offensichtlich nicht erkannt wurde. Auch von mir übrigens öfter mal nicht. Da ist so ein Titelwort überaus hilfreich.

Was den Punkt 'Diskussionen' angeht: Es geht immerhin darum, das Kernwort einer Gruppe zu finden, egal ob die Gruppe groß oder klein ist, da kann man schon unterschiedlicher Meinung sein, das sollte eigentlich drin sein, finde ich. Dass nicht alles ausdiskutiert werden kann, ist eh klar.

Was den Punkt Trabi - Uni - Abi angeht, kurz und knapp: Das sehe ich ein, gutes Argument. Dass Trabi ein Kosewort ist, naja, war es vielleicht mal, ist inzwischen wohl eher die Normalbezeichnung. Für mich wäre bei Uni allerdings das tatsächlich die Normalbezeichnung, neben Universität. Das hat nix mit Verniedlichung zu tun, da geht's einfach um Sprach- und Sprechökonomie, und Häufigkeit ist ja hier schon ein Kriterium, nur hört's bei der gesprochenen Sprache auf, bzw. die darf sich bitteschön auch in OT immer ganz hinten anstellen, noch hinter den ganz seltenen Fundstücken der gehobenen Exotenwörter. Nur gut, dass es für die gesprochene Sprache kein Korpus gibt...
Also bei Trabant als Hauptform wär ich nicht einverstanden, kein Mensch sagt das normalerweise. Ich hatte hier schonmal sone Diskussion vom Zaun gebrochen wegen Kombi und Kombinationskraftwagen, am Ende durfte das Normalwort Kombi nach vorne. Bei Trabbi/Trabant ist das nicht ganz so krass mit dem Unterschied im Gebrauch, weil Trabant kommt immerhin vor. Aber das eigentliche Hauptwort ist Trabbi, viele schreiben es Trabi, aber das a ist kurz und darum Trabbi richtig, denke ich.
Es gibt Gruppen mit sinnvoller doppelter Hauptform, z.B. unterscheiden sich gehen/laufen und laufen/rennen semantisch kaum, außer dass laufen eben beides bedeuten kann. Es gibt denke ich auch andere Fälle, wo eine zweite Hauptform sinnvoll sein kann. Ist aber eher selten.

Was Rechtschreibvarianten bezogen auf Hauptform angeht, genügt wirklich eine.
Verstehe, und mehr oder weniger völlige Übereinstimmung.

Nur: Was ihr (du und Daniel) so Standarddeutsch nennt, ist zunächst mal geschriebenes Deutsch, und das meiste Deutsch wird immer noch gesprochen. Außerdem: Wer weiß, ob das betreffende Nachrichtenorgan nicht einen Aufschrei der Empörung über die Frechheit erzeugen würde, eine Frau 'sexuell' attraktiv zu nennen, was für ein unverfrorener Sexismus! Also ob das im Zeitalter der Antidiskriminierungsagenturen noch als standardsprachlich durchgehen könnte? Diesem 'Standarddeutsch' ist wohl eine gewisse Künstlichkeit, Sterilität und Glätte nicht abzusprechen, indem ihm alles ausgetrieben wurde, was Geruch, Geschmack, Erdigkeit, Rauigkeit und derlei mehr genannt werden könnte. Es ist eben die Sprache, mir der sich das Geschehen an einem Unfallort in Nachrichtensprache verwandelt, wo von 'Schwerverletzten' die Rede ist, wenn abgetrennte Körperteile herumliegen, mal als krasses Beispiel. Und auch nicht ganz fair, als Beispiel, für Nachrichtensprache existieren noch zusätzliche starke Filter, die über das Standardsprachliche hinausgehen.

Ich mach mal ein Gegenbeispiel. Treffen sich zwei Kollegen: Hast du schon gehört, wir kriegen nächsten Monat die Krüger als Abteilungsleiterin. - Meinst du etwa die sexuell attraktive Rothaarige aus dem Versand?

Na, wie hört sich das an? Nicht vielleicht irgendwie ... geziert? Soo: zuckerzangenmäßig? Mal zum Vergleich: Meinst du etwa diesen heißen Feger mit den roten Haaren vorne im Versand?

Aber: Dieses vergleichsweise sterile, körper-, geruch- und geschmacklose Neutraldeutsch eignet sich optimal als Einleitewort für eine Synonymgruppe, indem es die wenigsten Zusatzbedeutungen oder Anspielungen im Gepäck hat. Insofern: eine gute Wahl, ich würde es genauso machen.

Nur dass ich sexy nicht wirklich schlimm finde. Es gibt Menschen, auf die das zutrifft, und ein wirklich unverhülltes Wort dafür ist nun mal sexy. Ich finde das 'ehrlicher'. Andererseits ist es wiederum reduktionistischer, es reduziert Menschen sehr stark auf einen Aspekt, der nicht ihre ganze Person ausmacht.

Mal eben noch: "sexuell attraktiv" gibt 296 google-Treffer. Aber die google-Suche ist da nicht gut geeignet. Der google Ngram Viewer ist da schon besser. Danach macht sich das Wort sexy ab 1948 in deutschen Büchern statistisch bemerkt bar, sexuell attraktiv seit 1958, für beides geht die Kurve grundsätzlich nach oben, bei sexuell attraktiv ist der Anstieg linear und flach, bei sexy ist er stärker und ab Mitte der 80er bis Mitte der 90er macht da der Anstieg einen steilen Knick nach oben und behält diese steile Steigerung bis 2008 bei. Ich weiß nicht genau, wie das zu lesen ist, aber es scheint, dass 2008 die Buchstabenfolge sexy in den von google books gescannten Büchern 30 bis 40 mal höher ist als die Buchstabenfolge sexuell attraktiv. Bücher wohlgemerkt! Beide sind aber verschwindend gering gegenüber dem vermutlich häufigsten Wort 'der', das mehr als 2,5% aller 3buchstabigen Sequenzen im Deutschen ausmacht, sexy hingegen nur 0,00009% aller vierbuchstabigen Sequenzen, und sexuell attraktiv nur 0,0000027% aller 17buchstabigen Sequenzen.
Es sei denn, man hebt das hervor, andere Farbe, fett, Ausrückung, wie auch immer, war auch mal so'n Gedanke von Daniel. Duden hat immer für jedes Wort einen Artikel, Wiktionary auch, Woxikon hat sone Art Titelstichwörter links, was ich sonst so rumfliegen habe an Wörterbüchern, hat immer ein fett gedrucktes Titelstichwort. Für irgendeine ferne Zukunft braucht man vielleicht nochmal einen ganz anderen Aufbau... Wer weiß auch, wie google in 20 Jahren aussieht...
Tschuldigung, ich meinte tatsächlich Julian - ich änder das.
Hi Julian, find ich gut, dass du jetzt auch die Musikrichtungen einfütterst. Da ist klar, dass das nur 'cum grano salis' zu machen ist, verschiedene Stile zu einer Gruppe zusammenzufassen, denn jeder einzelne hat doch seine Eigentümlichkeiten, mit reichlich Übergängen zu verwandten Stilen. Andererseits sind wir damit schon halb auf der Ebene einer Sachdiskussion, also bei einer Art 'Reallexikon', weniger beim Thesaurus. Je spezieller, desto weniger 'gemeinsprachlich'. Relativ extrem in dieser Hinsicht sind viele Beiträge von synonymfresser, der allerdings ziemlich strikt Synonyme für eine Art Spezialisten-Wortschatz liefert und dabei nicht das Problem hat, die Begriffe gegeneinander abzugrenzen.

Bin gespannt, wie das mit diesen Musikrichtungen weitergeht.
 
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