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Hi Daniel, das hattest du in https://www.openthesaurus.de/synonyme/edit/35559 getrennt und den Bedeutungsverlust durch 'schlechter Ruf' ersetzt. Gut, das ist eine Seite der Medaille. Aber es gibt auch folgenden Aspekt - bzw., erst mal den Kontext skizzieren. Es ging um einen Artikel in der letzten Zeit, da wurde beklagt, dass das Pflanzenwissen in Deutschland stark zurückgeht, weil die jungen Leute einerseits dafür nicht mehr zu begeistern sind, und weil sie, wenn sie sich schon professionell damit beschäftigen, dabei eher auf die elektronischen Medien setzen, was aber eine andere, nämlich - vorerst noch - schlechtere Qualität hat, bzw. es wird niemand eine gute Kompetenz auf diesem Feld entwickeln, der nicht auch die Pflanzen in die Hand nimmt.

'Imageproblem' kann in diesem Zusammenhang auch heißen: eignet sich nicht als Partygespräch, ist nicht angesagt, ist uncool, gilt nichts, damit kann man nicht angeben. Das ist auch eine Form von Bedeutungsverlust, nämlich im Bereich der Moden und des Zeitgeists. Ist ein bisschen wie mit dem früher hoch bewerteten Latein- und Griechischlernen, dem Klavier, das gaanz früher in jedem bürgerlichen Haushalt stand und vielen anderen kulturellen Wertmaßstäben, die sich massiv verschoben haben.

Das nur zur Erklärung, ich lass das so wie es ist.
Hi Daniel, du hast da nachgebessert, so weit, so gut. Aber jetzt erklär mir mal, wieso die Trafik ein Unterbegriff zu Kiosk ist, wo sie doch eben kein Kiosk ist!? Oder doch?
Ja genau. Mich als Deutschland-Deutschen irritiert das manchmal, wenn vorne ein Schweizer oder österreichisches Wort steht, z.B. hier: https://www.openthesaurus.de/synonyme/edit/11030: Nr. 1 = abserbeln (schweiz.), Nr. 2 = dahinsiechen. Da 'abserbeln' nicht umgangssprachlich ist, ist das insofern okay. 'Dahinsiechen' erscheint mir eher gehoben, ebenso wie 'da(r)niederliegen', man könnte allenfalls noch etwas herumsuchen und versuchen, etwas besseres als sog. 'Hauptwort' für ganz vorne zu finden. Ich denke immer, als Deutsche sollte man nicht so tun, als wenn nur wir den Ton angeben in der deutschen Sprache, aber es wird für die meisten Bedeutungen (hoffentlich) deutsche Wörter geben, die in allen deutschen Sprachräumen als standardsprachlich durchgehen können. So etwas wäre dann für vorne gut geeignet, denke ich.
oT
Ich bin mir alles andere als sicher, wie mit den österreichischen und Schweizer Ausdrücken verfahren werden soll, die in diesen beiden Ländern zur Normalsprache gehören. Nehmen wir das Schweizer 'Velo', das dort in etwa so normal ist wie bei uns 'Fahrrad'. Um das als Umgangssprache zu bezeichnen, müsste man vorgeben, dass OT eine bundesdeutsche Angelegenheit ist und alles aus unserer 'binnendeutschen' Perspektive bewertet wird, aber dem ist ja nicht so. Also können solche Wörter durchaus vorne landen, je nach Anfangsbuchstabe. Das kann wiederum einen bundesdeutschen User irritieren.

Sowieso ist regionaler Sprachgebrauch ja nicht automatisch mit 'Umgangssprache' gleichzusetzen, oder?

Österr. und schweiz. sind übrigend die dritt- und vierthäufigsten Tags, nach 'figurativ' und 'veraltet'.
Es gab in den 90ern ein paar Versuche, hochdeutsche Texte per Programm in 'Dialekte' zu 'übersetzen', eins davon war der berühmte UNiMUT Schwobifying Proxy. Auf https://als.wikipedia.org/wiki/Schwobifying_Proxy gibt's eine Kritik dazu, auf Alemannisch, da kann sich jeder mal einen Eindruck davon machen, was das für eine Sprache dieses Alemannisch ist, und dabei noch was lernen. Da wird auch das Thema 'Marmelade' gestreift.

Gibt's auch für andere 'Dialekte', scheint jeweils nicht auf mit https übertragenen Seiten zu funktionieren. Sind natürlich alles nur Spielereien. Wer da mal reinschnuppern will, kann's ja mal hier versuchen:

http://www.burble.de/

oder hier:

http://www.parallelnetz.de/

Da bringen aber die Dialekt-Wikipedias mehr. Und da versteht man dann auch auf einen Blick, dass das mit dem Deutsch, was hier in OT abgebildet werden soll, wenig bis nichts zu tun hat.
Bin grad auf Marmelade/Konfitüre in OT gestoßen, und auf den diesbezüglichen Wikipedia-Artikel, da stehen einige Dialektausdrücke dabei. Inwieweit die tatsächlich noch im Schwange sind, lässt sich nicht sagen. Gsälz hör ich hier und da, da ich von Zeit zu Zeit im Ländle bin. Die anderen scheint's jedenfalls tatsächlich zu geben, aber man weiß nie, ob die von so einer Art Dialektverein zusammengetragen wurden, der erst mal alles aufzählt, was es so gibt - und gegeben hatte, in den älteren Generationen. Die Suche mit google-Bilder führt hier nicht so recht weiter. Es gibt da natürlich noch viel mehr, das meiste, was OT nennt, ist aus der äußersten südwestlichen Ecke von Deutschland. Also, so richtig Sinn macht das nicht, ich hab das dann auch abgebrochen. Solange OT keine Gewährsleute in den jeweiligen Dialekträumen hat - oder verlässliche Daten aus anderen Quellen, z.B. gibt's für das sog. 'Rheinische' ein ganz gutes Mitmachwörterbuch mit ner recht guten Beteiligung, das wär schon ne Referenz, m.E. - bleibt das ein Stochern im Nebel.

Angestoßen war das durch den Versuch, zu bestimmen, wo in Deutschland denn die eingetragenen Dialektwörter in Umlauf sind. Da findet man natürlich Aussagen, wenn man sucht, aber wie die einzuschätzen sind?

Es ist ja wohl so, wenn von da unten ein Dialektsprecher so richtig loslegt, dann versteht man als Norddeutscher überhaupt nichts mehr, das ist echt ne Fremdsprache (und linguistisch bewegen sich diese Regionalvarianten tatsächlich in einem Differenzbereich zum Hochdeutschen, der mit dem Holländischen vergleichbar wäre). Ich mein mit 'da unten' jetzt nicht Bairisch oder Schwäbisch, das kennt man ja ein bisschen und versteht es ja auch ein bisschen, ich meine z.B. 'Oberrheinalemannisch', da versteht man reinweg jarnüscht. Und da mag es schon viele spezielle Wörter im Umlauf geben, von denen man sich hier oben keine Vorstellung macht. Mit dem Pfälzischen und Moselfränkischen muss es ähnlich (schlimm) sein. Da kann man dann als Nicht-Dialektsprecher nur passen und muss sagen, tut mir leid, nicht meine Baustelle, da kenn ich mich nicht aus, sorry.

Jedenfalls würde ich meinen, wenn man sich nicht wirklich dafür verbürgen kann, auf welche Weise auch immer, dass die entsprechenden Wörter tatsächlich benutzt werden, sollte man darauf verzichten, sie in OT einzutragen. Es gibt immer Sammlungen, die alles mögliche aufführen, hier fürs Ruhrgebiet gab's mal 'reviertalk.de', die machten ein bisschen auf Asi-Slang und waren recht beliebt, aber mit dem täglichen Reden hier hatte das herzlich wenig zu tun. Ich kann das sagen, weil ich 'von hier weg' bin, aber jemand aus Bayern kann da doch nur Vermutungen anstellen...

(ähnliches Problem übrigens die 10001 deutschen Pflanzennamen, früher hatte jedes Kraut in jedem Dorf praktisch einen anderen Namen, und von diesen tausend Bezeichnungen (pro Pflanze!) haben sich für die meisten so an die hundert gehalten, die jetzt im Internet ein Eigenleben führen und natürlich immer weiter abgeschrieben werden, da sollte sich OT nicht einreihen...)
Ich vermute mal, die meisten User wird das nicht interessieren...


...tja, lässt sich hier leider nicht herausfinden, was die 'meisten User' interessiert. Ist ja immerhin sone Art Wörterbuch, da wär die Nutzung imho grundsätzlich schon von Interesse, denke ich. Das mit dem Aufwand kann ich nicht einschätzen. Jedenfalls danke.
Na, das find ich doch mal ne sehr gute Nachricht! Vielen Dank!

Ich weiß nicht, ob das sinnvoll wäre: Könnte man nicht irgendwo so'n Seitenaufrufezähler einbauen, à la 'Seitenaufrufe heute / in der letzten Woche / im letzten Monat / monatsweise im letzten Jahr', um zu sehen, wie sich OT entwickelt? Vielleicht in der Statistik, damit es nicht so aufdringlich daherkommt?
Späte Reaktion, aber trotzdem: Für den Anfang nicht schlecht. Es geht langsam voran.

Interessanter fände ich allerdings, wie stark OT auch nachgefragt bzw. in Anspruch genommen wird...
In https://www.openthesaurus.de/synonyme/edit/15283 taucht als zweites Wort 'Ostmark' auf. Das ist zwar kommentiert, aber ganz wohl ist mir dabei nicht.

Das nur als Fußnote zu der noch anhängigen Diskussion, ob OT eine Reihenfolge der Einträge abseits der alfabetischen Sortierung und der Aufzählung nach Sprachebenen braucht. Falls jemand es noch nicht weiß: Ich wäre unbedingt dafür. Wie das bewerkstelligt werden könnte? Man müsste die Tags miteinbeziehen. 'Ostmark' ist 'veraltet' und gehört daher nach hinten.
Du hattest geschrieben: "es gibt sicher in Österreich auch Kioske...", das hört sich an wie: ich vermute... Kennst du dich da aus oder nicht?

Meine Anmerkung war Teil einer leider sehr einseitigen geführten Auseinandersetzung mit Synonymfresser, der sich zutraut, so etwas beurteilen zu können.

Von der Sache her scheint eine österreichische Trafik nach dem Wikipedia-Artikel schon was eigenes zu sein. Insbesondere werden dort keine Lebensmittel verkauft (siehe http://www.gutefrage.net/frage/warum-gibt-es-in-deutschland-in-den-trafiken-kiosk-immer-getraenke-und-snacks), und andersrum scheint es in Österreich so gut wie keine Kioske im bundesdeutschen Sinne zu geben (http://www.stadtbekannt.at/wiens-einziger-sptkauf-der-kiosk-kaunitzgasse/). Dann bliebe immer noch die Frage, inwiefern eine 'Trafik' ein Unterbegriff zu Kiosk ist und keine Assoziation, wo sie doch etwas anderes ist und kein Kiosk?

Mir geht es hier darum , Wörter, die zusammengehören, nicht zu weit auseinanderzureißen. Wer schaut sich schon alle Unterbegriffe an? Eine Alternative wäre vielleicht gewesen, die Trafik in der Liste der Kleinverkaufsstellen zu kommentieren. So wie es jetzt dasteht, weiß man noch nicht einmal, dass es sich um eine österreichische Eigenheit handelt.
in https://www.openthesaurus.de/synonyme/edit/5596

Könnte 'Pendant' gemeint sein? Aber das ist doch nicht synonym mit 'Parallele'?
Nachtrag:

Ich hab da übrigens ein nettes Beispiel gefunden. Bestimmte Arten von Fehlern werden in Deutscharbeiten mit 'Gr.' getaggt. Das bedeutet 'Grammatikfehler'/'Verstoß gegen Grammatikregeln'. Wie würde man das adjektivisch ausdrücken?

Zu meiner Schulzeit - lang lang ist's her - nannte der (gymnasiale) Deutschlehrer so etwas 'grammatikalisch falsch'. Damals war das Verständnis von Grammatik noch durchgängig normativ, was nicht durch den Duden autorisiert war, war falsch. Später an der Uni redeten die Linguisten von 'ungrammatisch' und meinten damit im Ergebnis dasselbe, jedoch im Begriffsinhalt etwas anderes. Ungrammatische Sätze waren vor allem bei der Regelfindung solche, die ein durchschnittlicher 'native speaker' als 'kein korrektes Deutsch' zurückweisen würde und die daher - hier mal am Beispiel der generativen TG - bei der Aufstellung des Regelapparats als eines Satzerzeugungsalgorithmus in der Weise zu berücksichtigen waren, dass solche Sätze durch den Regelapparat nicht erzeugt werden durften.

Ich kann nicht beurteilen, was an den Schulen und Unis heutzutage üblich ist. Möglicherweise ist es immer noch so, denn die allgemeinbildenden Deutschlehrer tun sich meiner Erfahrung nach schwer mit der Umsetzung linguistischer Erkenntnisse, anders als die DAF-Lehrer. Jedenfalls war es damals so - und ist es möglicherweise noch heute -, dass 'ungrammatisch' ein rein akademisch-linguistischer Terminus war, derartige Sätze oder Phrasen wurden mit einem Sternchen davor gekennzeichnet. 'Ungrammatisch' wäre demnach '(akademisch) wissenschaftlich', 'grammatikalisch falsch' das Pendant für den Schulgebrauch und ad usum delphini, zwar immer noch 'fachsprachlich', aber nicht zwingend 'akademisch wissenschaftlich'.

Das erinnert mich beiläufig an das fragwürdige Wort 'unethisch', welches im Alltag im Sinne von 'ethisch nicht vertretbar' (genauer: 'den Maßstäben jeder konventionellen Ethik widersprechend') benutzt wird - und übrigens auch an so missratene Kombinationen wie 'psychologische Krankheit' statt 'psychische Krankheit'.

P.S.: Ich hatte - und hab bis jetzt - das hier noch nicht gelesen: http://faql.de/wortgebrauch.html#grammatikalisch . Vielleicht muss ich nach dem Lesen wieder alles mögliche zurücknehmen.
Stimmt soweit. Das beträfe dann auch die Täggs 'medizinisch', 'juristisch' und überhaupt alles, für das es eine Kategorie gibt. Aber das müsste man nochmal in Ruhe durchdenken: 'stehlen' ist zwar juristisch relevant, gehört aber wohl nicht zur Kategorie 'Jura', 'sich widerrechtlich aneignen' schon eher.

Ich weiß nicht, ob du dir die paar als 'wissenschaftlich' bezeichneten Begriffe mal als Gruppe angesehen hast. Ich finde, da ist schon eine Linie drin, es sind alles Begriffe, die außerhalb akademischer Diskurse absolut unüblich sind. Es hieß ja mal, dies oder das könnte z.B. für Deutschlerner eine nützliche Information sein, und da kann es durchaus von Nutzen sein, zu erfahren, dass es Wörter gibt, die von einem durchschnittlichen Deutschen weder benutzt noch verstanden werden. Z.B. 'Steigerung' eines Adjektivs kann man zur Not vielleicht noch ohne großartige linguistische Kenntnisse verstehen, bei 'Komparation' dürften die meisten jedoch passen.

Die grundsätzliche Frage dabei ist: Was ist der Unterschied zwischen Kategorien und Tags? Von der Funktion her wohl der, dass Kategorien einer ganzen Gruppe zugeordnet werden, Tags hingegen nur einzelnen Wörtern innerhalb einer Gruppe. So wollte ich mein 'wissenschaftlich' auch verstanden wissen, als tendenziell elitär-klugschnackerisch bzw. wirklich nur bei Fachleuten im Wissenschaftsbetrieb im Gebrauch, weder im Sprachunterricht noch im Deutschunterricht noch in Essays über Sprache anzutreffen, sondern ausschließlich den Clubmitgliedern der akademischen Linguisten vorbehalten.

Es war hier schonmal angemerkt worden, dass eine Sprachebene 'gewählt-preziös-geschraubt-gekünstelt' fehlt, die Auszeichnung als 'wissenschaftlich' geht in eine ähnliche Richtung.

Übrigens verschieben sich die Maßstäbe, wenn man sich über längere Zeit in einem Begriffsfeld bewegt, zumindest bei mir ist das so. Als ich sprachwissenschaftliche Begrifflichkeiten zusammengestellt hatte, wusste ich nicht so recht, was ich überhaupt als 'fachsprachlich' einordnen sollte, denn viele der Begriffe gibt es auch im Alltagsdeutsch. Sind Wörter wie 'Wort', 'Satz', 'Silbe' fachsprachlich? Einiges ist da auch unwissenschaftlich, das hatte ich als 'fälschlich' bezeichnet, anderes verführt zu unwissenschaftlichem Denken (Hauptwort, Fürwort, Tätigkeitswort...).

Kurz: Ich hatte mir was dabei gedacht und das auch mit bestem Bemühen relativ systematisch einzusetzen versucht. Wenn du meinst, dass das überflüssig ist, dann eben nicht.
 
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