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Bei Internetbelegen stellt sich die Frage, wie diese zu dokumentieren sind. Die URLs zum Nachlesen sind teilweise elend lang, länger als der Beleg selbst, das kann nicht der Sinn der Sache sein. Über abgekürzte URLs sind sie dann nicht auffindbar. Was immer gut hilft bei der Google-Suche, sind wörtliche Zitate, die in Anführungszeichen eingeschlossen mit Google abgefragt werden. Wenn man jedoch einen Buchstaben im Sinne der Rechtschreibkorrektur ändert, findet Google sie nicht mehr, man muss dann ein unverändertes Stück aus dem Zitat von Google suchen lassen. Als Nicht-Eintrager weiß man aber nicht, dass das Original-Zitat verändert wurde. Beim wissenschaftlichen Zitieren ist es üblich, jegliche Veränderung kenntlich zu machen. Das geht hier aber nicht, dadurch wird alles wieder viel zu lang, der Platz für Belege ist ja begrenzt. Ich finde, man sollte sich auch hier ein Verfahren überlegen, wie man Veränderungen im Text kenntlich machen kann, vielleicht mit "Eckklammern [orig. 'Ecklammern']".

Vielleicht muss man sich irgendwann auch einmal etwas überlegen zu den Angaben der URLs. Viele Online-Wörterbücher oder andere Sprachseiten benutzen Links in abgekürzter Schreibweise, so wie wir bei Wikipedia, was die Lesbarkeit erheblich steigert

Ich benutzte bei den Beispielen übrigens Anführungszeichen nach den Regeln fürs wissenschaftliche Zitieren (ich hoffe, das gilt immer noch) praktisch ausschließlich für wörtliche Zitate von diversen Fundstellen (Bücher, Zeitschriften...), meist aus dem Internet kopiert, weil das natürlich am einfachsten ist, und mit Angabe der Fundstelle. Leider müssen Funde aus Google Books in aller Regel komplett abgetippt werden, weil Google nicht das Recht hat, diese Textschnipsel in kopierbarer Form bereitzustellen. Ausgedachte Beispiele schreibe ich ohne Anführungszeichen. Ausgedachte Beispiele in Dialogform setze ich in einfache Hochkommas (Semikolons), um sie von wörtlichen Zitaten zu unterscheiden. Manche benutzen hier Anführungszeichen, um deutlich zu machen, dass es sich um eine mündliche Äußerung handeln soll, oder 'einfach so', aber das ist eigentlich nicht nötig, man erkennt normalerweise aus dem Zusammenhang, wenn ein Satz 'mündlich' gemeint ist.
Ich habe gerade in https://www.openthesaurus.de/synonyme/edit/12462 eine Reihe von Einträgen aus den 'Unterbegriffen' in die 'Assoziationen' verschoben, getreu dem Motto 'ein Teil von etwas ist kein Unterbegriff dieses Etwas'. So wäre z.B. eine Windschutzscheibe kein Unterbegriff des Autos.

Andererseits wäre es schön, diese 'ist-Teil-von-Beziehungen' in einer separaten Untergruppe der Assoziationen zusammenfassen zu können.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch einmal daran erinnern, dass wesentliche Fragen unserer Unterbegriffs-Architektur nach wie vor nicht geklärt sind. Grob gesagt geht es

1. um die Unterscheidung zwischen Teilmengen (Elefanten sind eine Teilmenge der Säugetiere) und Metasprache ('Elefanten' ist ein Wort)

sowie in ähnlicher Weise

2. um das Auseinanderhalten von Teilmengenbeziehungen (Birken ⊆ Laubbäume) und Klassifikations(ebenen)-Zuordnungen: Birken sind (grob gesagt) eine botanische Gattung und nicht etwa eine Art (wir meinen zwar meistens die normalen Sand- bzw. Hängebirken, wenn wir Birken sagen, bezeichnen aber auch Moorbirken wegen ihrer weißen Rinde ohne weiteres als Birken, trotz eines im Ganzen etwas anderen Habitus, wir meinen also die 'Gattung Birken' ) und auch keine Familie (die heißt nämlich Birkengewächse, und zu der gehören u.a. auch Haselsträucher, Weißbuchen und Erlen). Kurz: Birken ⊆ Laubbäume vs. Birken sind eine botanische Gattung. Analog: Psychothriller (Film, Literatur) ⊆ Thriller vs. Psychothriller sind ein Spielfilm-/literarisches Genre. Im weiteren Sinne auch: honigblond, weizenblond, platinblond... ⊆ blond vs. honigblond, weizenblond, platinblond... sind Haarfarben. - Allerdings wird hier das Teilmengensymbol mehr oder weniger figurativ bzw. schlampig und nicht im streng mathematischen Sinne eingesetzt, mit Logik kenne ich mich - leider - nicht aus.

Oberbegriffs-Zuordnungen wie 'platinblond' ist eine Haarfarbe verbieten sich unter normalen Umständen, weil Ober- und Unterbegriffe derselben Wortart angehören sollen. Eine solche nicht dem OT-System entsprechende Zuordnung von Oberbegriffen drängt sich jedoch in sehr vielen Fällen auf: regnen, hageln, schneien... sind ebenso Formen von Niederschlägen wie Regen, Hagel und (fallender) Schnee; fließen, strömen, wallen, sprudeln sind mehr oder weniger gerichtete Bewegungen von Flüssigkeiten - man kann hier auch 'sich (in eine Richtung) bewegen' sagen; 'glatt, rau, rubbelig, bereift, stumpf, glitschig...' sind (taktil wahrnehmbare) Oberflächeneigenschaften. Wie man hier sieht, müssten Oberbegriffe teilweise künstlich konstruiert werden: 'nageln, tackern, nieten, klammern' heißt 'eine Verbindung mit Metallstiften herstellen', was man aber so nicht sagt.

3. Geklärt ist hingegen, dass Eigennamen als Bezeichnungen für Individuen als solche gekennzeichnet werden können. Nicht geklärt bzw. eingerichtet ist, ob bzw. dass Eigennamen automatisch ans Ende der Liste der Einträge wandern.

4. Ein erhebliches Problem dürfte auch die Unterscheidung von gemeinsprachlichen gegenüber fachsprachlichen Ober-/Unterbegriffen (wie überhaupt die zwischen Alltags-Wörtern und Fachwörtern) darstellen. Dass es dabei zu seltsamen und unlogischen Überkreuzungen kommt, war hier anlässlich von 'Festplatte' neulich Thema.

Ich bin nicht sicher, ob diese teils theoretischen Überlegungen in der Praxis eine große Rolle spielen. Tatsache ist, dass bei den Ober- und Unterbegriffen immer wieder Unzulänglichkeiten auftreten, die zum allergrößten Teil schwer in den Griff zu bekommen sind, weil die Begriffe der Sprache des täglichen Umgangs sich nun mal nicht so schön einteilen lassen wie das Artikel-Sortiment in einem Baumarkt-Katalog.
bitte löschen
Schick wäre es, mehreren Einträgen denselben Tagg in einem Rutsch zuweisen zu können.
Bin grade auf der Suche nach 'mit Verachtung (o.ä.) strafen'. Das kann hier auf recht verschiedene Weise eingetragen sein:
- strafen mit
- (jemanden) strafen mit
- (jemanden) mit etwas strafen
- (jemanden) mit (...) strafen (z.B. Verachtung)
- (jemanden) mit Verachtung (oder: Ignoranz/Missachtung/Schweigen) strafen
- (jemanden) mit Verachtung strafen [variabel]
usw.

In diesem Fall wäre eine Suche nach "(jemanden) mit * strafen" sehr praktisch.

Nebenbei zeigt sich hier, dass es ungünstig ist, für die Stellung von Ergänzungen zum Verb keinen Standard vorzugeben. Ein Eintrag könnte sowohl 'hoffen auf' als auch 'hoffen (auf)' als auch 'auf etwas hoffen' als auch '(auf etwas) hoffen' lauten, das bleibt dem Zufall überlassen und erschwert das Auffinden.
Hinsichtlich des Punkts 'es ist noch zu früh' bin ich voll und ganz Deiner Meinung. Hinsichtlich dessen, dass OT einem Sprachgebrauch ein Placet erteilen könnte, bin ich allerdings sehr skeptisch. Es ist hier alles noch sehr bruchstückhaft und unaufgeräumt, da haben wir wohl noch nicht so viel zu melden - und werden es wohl auch nie haben. Gegen kommerzielle Produkte oder Sprachseiten mit reger Beteiligung kommen wir nicht an, muss ja auch nicht sein. Bei den Synonymen ist es nun mal so, dass man seine Einteilungen ganz anders aufziehen kann als eingeführte Sammlungen. Man könnte zehn oder zwanzig Synonymsammlungen machen, jede bekäme ihr eigenes Gesicht, abhängig von den Personen, die daran werkeln. So hat OT auf jeden Fall seine Berechtigung, unabhängig davon, wie viele anders angelegte Sammlungen es bereits geben mag.
Etwas Ähnliches hattest Du angemerkt bei Istbestand und Sollbestand. Klar sind das Antonyme, aber es sind auch beides Bestände. Von wegen der Auffindbarkeit, die ich für sehr wichtig halte, kommt es drauf an, wie der ganze Apparat von Synonymen, Gegenteilen, Ober-/Unterbegriffen, Taggs, Kategorien, Assoziationen auf der Seite verteilt sind. Beim Istbestand hätte ich den Sollbestand eher als Gegenteil dazugeschrieben, dann sieht man's sofort, kann man ja noch machen. Wegen der Unsortiertheit ist es aber inzwischen manchmal eher zufällig, ob man das findet, was man sucht.

Was überhaupt den Sinn und Zweck von Synonymsammlungen angeht, bin ich heute mit einer gewissen Genugtuung auf einen uralten Artikel von Dieter E. Zimmer in der ZEIT gestoßen: http://www.zeit.de/1961/43/hunderttausend-deutsche-woerter . Er erwähnt, dass sogar der große Goethe als der Meister aller Klassen sich nicht scheute, Synonymwörterbücher zu konsultieren. In diesem Artikel wird auch aufgezeigt, dass der Weg zu einem Wort, das einem nicht einfällt, über recht verschlungene Pfade führen kann, und dass die Chance, ein Gesuchtes zu finden, sich mit der 'Auslage' an sichtbaren Angeboten vergrößert. Im Bahnhofsbuchhandel spricht man bei den Zeitschriften etwa von Vollsicht-Präsentation, was die Verkaufschancen vervielfacht. Hier funktioniert es nicht viel anders. Wenn man erst noch eine weitere Schublade aufziehen muss, mindert das die Auffindbarkeitschancen. Insofern ist z.B. hier die Angabe der ersten drei pro assoziierter Gruppe, die oft genug aufgrund der alphabetischen Sortierung eine merkwürdige Versammlung von Randfiguren innerhalb der Gruppe darstellen, eine Auffindbarkeitsbremse ersten Ranges. Wer käme schon unbedingt sofort darauf, dass sich hinter 'Person - Charakter - Einzelwesen' auch der Mensch als solcher verbirgt, und was soll man mit dieser unendlichen Liste von Personenbezeichnungen darunter jemals Vernünftiges anfangen? Sollte man die nicht vielleicht besser einteilen in 'Berufsbezeichnungen', 'Nationalitäten', 'Aktivitäten', 'Sportler', 'Kriminelle' usw.?

Okay, also ich hab verstanden was Du meinst und stimme im Wesentlichen mit Dir überein.
Kann man machen. Aber mit welchem Recht lässt man dann 20 bis 50 der Sammlung von Jochen Gallmayer draußen, die ähnlich originell sind und eine ähnlich starke - nämlich so gut wie gar keine - Verbreitung außerhalb von Wörtersammlungen haben? 'Sockenbügler' wäre da wohl ein schöner Kandidat. (Zu dem findet sich doch tatsächlich ein Beleg bei http://wortschatz.uni-leipzig.de/ aus der taz.) Es bliebe dann dem Zufall und der Lust am Stöbern kommender Mitstreiter überlassen, welche dieser Worterfindungen später vielleicht noch hinzukommen. Übrigens steht in einer weitgehend deckungsgleichen Liste ( http://www.gerstlauer.de/andreas/fun/warmduscher.html ) auch der 'Synonymeingeber', na besten Dank, stimmt aber leider irgendwo.

Bei dieser Geschichte dreht sich wie so oft vieles um die Reihenfolge innerhalb der Gruppe. Der 'Früheinfädler' steht auf Position 2, so etwas irritiert immer, das Wort ist nun mal nicht geläufig. Direkt danach kommt der Himbeerbubi, ebenfalls alles andere als Standardvokabular. Der 'Weichling' steht nur deswegen vorne, weil alles andere als ugs. markiert wurde. Für mich würden nach vorne gehören Weichling + Weichei + Waschlappen, vielleicht noch der Milchbubi, dann hätte man in etwa den Kerninhalt erfasst, der da wäre: 'keine Eier in der Hose', 'weibisch', 'keiner harten Auseinandersetzung gewachsen', 'kein richtiger Kerl'; hinzu käme so eine Mischung aus 'körperlich + mental nicht zum Mann herangereift' und 'ängstlich voreingestellt'. In den Kreativ-Sammlungen à la 'Schattenparker & Co.' kommen hinzu: 'spießig', 'an Zwangsstörungen leidend', 'übervorsichtig' usw., mit einem Wort: Man nehme einfach das Gegenteil von Donald Trump.

Ein zweiter Aspekt dabei ist: Diese Wörter sind (Pseudo-)Kreativschöpfungen nach mehr oder weniger einheitlichem Muster, so etwas wie ein semantisches und teilweise syntaktisches Wortbildungsmuster - vom Bauprinzip her vergleichbar französischen Wortschöpfungen wie 'presse-papier, tire-bouchon', 'gratte-ciel' -: Hinten steht meist ein substantiviertes Verb, davor wird mit Bindestrich angekoppelt eine Variante dieser Tätigkeit, die ein unmännlicher Mann (angeblich) praktiziert. Da sind der Kreativität grundsätzlich keine Schranken gesetzt: Klodeckel-Runterklapper (nach Benutzung), Badekappen-Träger, Gebrauchsanweisungs-Leser ...

Die Gruppe ist noch gut zu überblicken, mal sehen, wie sie sich weiterentwickelt. Eine Sortierung unter dem Gesichtspunkt 'das Geläufige nach vorne' täte dieser Gruppe wie den meisten anderen gut.
Irgendwann war es mal chic, sich für 'unmännliche Männer' pseudo-originelle Bezeichnungen einfallen zu lassen bzw. solche, die man aufgeschnappt hatte, weiter zu verbreiten. Es muss Leute gegeben haben, die so etwas am Fließband produziert hatten, in https://www.openthesaurus.de/synonyme/edit/1995 sind ein paar davon zu finden: Früheinfädler, Schattenparker, Warmduscher, vielleicht wurden der Himbeerbubi und das Weichei von dieser Welle mit angespült. Damit war die Kreativität natürlich noch nicht verbraucht, es gab auch noch Sockenbügler, Trennstäbchenleger und tausend andere, Jochen Gallmayer hat 1999 in de.etc.sprache.deutsch mal eine Gruppe mit mehr als 600 solcher 'superwitzigen' Erfindungen zusammengestellt: bei https://groups.google.com/forum/?hl=de#!searchin/de.etc.sprache.deutsch/2-finger-tipper%7Csort:relevance auf den Link 'Neue deutsche "Schimpfwörter"' tippen.

Letztlich durchgesetzt hat sich davon kaum etwas, das war ja auch nicht der Sinn der Sache, die Bezeichnungen sollten halt witzig sein, und wie das so ist bei Witzen, man will sie sich nicht immer wieder anhören und sie auch nicht weitererzählen, wenn gelangweiltes Abwinken als Reaktion zu erwarten steht. Mit einer gewissen Dauerhaftigkeit überlebt haben nach meiner Beobachtung bis auf den 'Früheinfädler' die in OT genannten, aber selbst die lassen sich nicht 'einfach so' benutze, denn sie wollen in erster Linie witzig sein und vielleicht noch die Verächtlichkeit des Sprechers zum Ausdruck bringen.

Die Frage wäre, wohin damit. Es gab mal, vor sehr langer Zeit, etwa Ähnliches mit Abwandlungen von 'ich glaub', ich steh' im Wald': ich glaub', mich tritt ein Pferd / mein Hamster bohnert / mein Schwein pfeift / mein Muli priemt / mich knutscht ein Elch ...

Eigentlich sind solche Sprüche synonymmäßig nicht vernünftig unterzubringen, denn sie wollen hauptsächlich lustig sein. Man könnte die mit einem kleinen Kommentar in extra Gruppen verfrachten und assoziieren, aber da gehen sie im unsortierten Durcheinander der Assoziationen unter. Denn eine Bedeutung haben sie trotzdem: Der 'Schattenparker' soll ein 'Weichei' sein, und die 'ich-glaub'-Sprüche sind Ausrufe des ungläubigen Erstaunens, ähnlich wie 'das gibt's doch nicht!'
Hier beißen sich wie so oft Umgangssprache und fachorientiertes Vokabular. Die Umgangssprache überträgt oft, ausgehend von der Funktion, Wörter auf sachlich unzutreffende Objekte. Dass SSDs keine rotierenden nicht-flexiblen Scheiben enthalten, hindert den Mann von der Straße nicht daran, diese flachen quaderförmigen Speicherelemente dennoch 'Festplatten' oder 'Platten' zu nennen, denn sie haben oft eine in etwa gleiche Baugröße (logisch), sind eigentlich sogar noch 'fester' als die Festplatten mit beweglichen Teilen, und sie haben vor allem dieselbe Funktion: Träger des Bootprogramms, des Betriebssystems und der wichtigen Programme (und vielfach auch sämtlicher gespeicherter Daten) zu sein. Für solch eine verquere Struktur gibt es aber keine gute Lösung, wenn man mit Ober- und Unterbegriffen arbeitet, denn da müsste die umgangssprachliche 'Festplatte' (was für eine Teilmenge der Sprachteilnehmer so viel bedeutet wie 'größerer Massenspeicher, der das Betriebssystem trägt') Oberbegriff zu 'Festplatte' im technischen Sinne sein.

Ein ähnliches Problem hatten wir einmal mit 'Internet', das umgangssprachlich oft mit dem WWW gleichgesetzt wird.

So wie unter 'Datenspeicher' jetzt alles eingeteilt ist, sieht es jedenfalls sehr aufgeräumt aus. Hoffentlich vermurkst das niemand.
Der Ngram Viewer von Google legt meines Wissens ein Korpus aus Büchern zugrunde. In modernen Romanen ist viel Umgangssprache enthalten, wenn auch leicht stilisiert. Viele neue Redeweisen kommen ja durch die Umgangssprache auf. Dieses 'Wie jetzt!?' ist mit ziemlicher Sicherheit nicht viel älter als 15 Jahre, ich schätze ca. 10 Jahre, da hatte ich mit jüngeren Herrschaften zu tun, die diese Art von Jugendsprache inklusive 'wie geil ist das denn!?' draufhatten. 10 Jahre sind für ein sprachliches Element immer noch relativ jung, bis es dann in irgendeinem Buch erscheint, vergehen einige Jahre. Nur kann der Ngram Viewer hier nicht helfen, weil er mit den Satzzeichen ebenso wie die Google-Suche nicht umgehen kann, und 'wie jetzt' nicht als irritierter Ausruf sondern als Satzelement kann ja in allen möglichen Kontexten vorkommen.

Was schön und wünschbar wäre, nämlich eine Jahreszahl 'ab wann', können wir leider nicht leisten. Was jetzt Neologismus ist, ist es in 20 Jahren nicht mehr, d.h. irgendwann müsste man bei den Alt-Neologismen den Tagg löschen, oder wie gesagt man müsste immer dazuschreiben, wann eine Formulierung größere Verbreitung gefunden hat. Einen Sprach-Google mit entsprechendem Korpus gibt es leider nicht, das einzige, was ich kenne und was in der Hinsicht nutzbar wäre, wäre DESD, da kann man sich wirklich alle Treffer quasi ab Gründung der BRD aus 'Die Zeit' und dem 'Tagesspiegel' (Berlin) anzeigen lassen. das hat aber mit der gesprochenen Sprache nix zu tun. Und selbst für diese - recht bunte und kreative - Mediensprache gilt: Solange es keine Volltextsuche über viele Presseerzeugnisse hinweg gibt, wird man da weiter auf dem Schlauch stehen.

Auch die normale Google-Suche arbeitet hochselektiv. Man könnte ja denken, gut, jetzt haben wir wenigstens die Blogs und die Leserkommentare und Foren dabei, die sind ja oft sehr umgangssprachennah, aber es kann z.B. sein, dass ich für ein Einzelwort mehr anzeigbare Treffer geliefert bekomme als für dasselbe Wort mit einem anderen Wort daneben, was ja rein mathematisch und mengentheoretisch nicht sein kann. Das heißt, das Google bei seinen Treffern alles mögliche rausschmeißt, nur weiß man nicht, was.

Was immerhin schön ist, ist der Punkt, dass man bei Dialekt- und Regionalwörtern immerhin Treffer geliefert bekommt, mit Kontexten.

Ist eigentlich schade, dass diese Gebirge von Text für Sprachinteressierte nur sehr oberflächlich erschließbar sind. Aber das Internet ist hat nicht dafür gedacht, es sollen Meinungen vertreten und Produkte an den Mann gebracht werden. Und es soll Bezahl-Content vor irregulärer Verbreitung im Internet geschützt werden. Immerhin sind wir jetzt schon weiter als vor 20 Jahren, ein paar Werkzeuge gibt es schon, die wir sinnvoll einsetzen können, und der Google Books Ngram Viewer gehört dazu. Was das von Dir zur Demonstration gewählte 'zeitnah' angeht, hatte ich hier im Forum ja am 1.7.16 dazu eine Anmerkung gemacht.
Bei nicht wenigen Synonymfunden juckt es mich in den Fingern, an ihnen kenntlich zu machen, dass sie noch nicht allzu lange im Umlauf sind. Denn es könnte sein, dass sie auch recht bald wieder in der Versenkung verschwinden, dann stehen sie aber noch da und niemand weiß, wie sie in OT gelandet sind ('alles gut'?). Oder sie sind zeitgebunden und haben sozusagen ein eingebautes latentes Verfallsdatum mit schwebender Fälligkeit ('Brexit'). Dem einen oder anderen mag auch noch nicht aufgefallen sein, dass man in bestimmten Kreisen oder Kontexten jetzt so redet (z.B. jugendsprachliches 'Opfer', schon in vorgezogener Abklingphase bzw. 'mit einem Fuß' in die Gemeinsprache eingegangen).

Problematisch bei der Kennzeichnung als Neologismus wäre, dass sich fast nie bestimmen lässt, ab wann eine neue Redeweise oder ein neues Wort da ist. Heute zum ersten Mal gehört: 'resting bitch face'. Das ist so neu, dass es nicht mal eine deutsche Übersetzung gibt, auch kein Synonym. Und wohl auch keinen Bedarf hier. Aber wie gesagt, es ist recht neu, war im letzten Jahr in größerem Rahmen aufgekommen, ist also nicht mehr brühwarm, alle werden es nicht kennen. Vergleichsweise neu wäre auch das verbreitete 'stemmen' für 'schaffen', das aber bereits wieder auf dem Rückzug zu sein scheint. Oder 'vintage' für 'gehört eigentlich auf den Sperrmüll'. Sollte es OT in 20 Jahren noch geben, wäre die Info nützlich, wann eine Formulierung aufgekommen war. Nur stelle ich immer wieder fest, dass ich mit meinen Beobachtungen falsch liege: Etwas, das mir in der letzten Zeit aufgefallen ist, scheint es dann doch bei genauerer Nachprüfung schon laaange zu geben. Vielleicht ist da nur der verstärkte Gebrauch neu und nicht die Redeweise an sich.

Wie auch immer, ich fände eine Kennzeichnung, wie ungenau auch immer sie ausfiele, sinnvoll. Im Einzelfall kann es über das Neuheitslevel verschiedene Auffassungen geben, aber man wird sich hier sowieso nicht in allen Dingen einigen können, dazu ist das Feld, das hier bearbeitet wird, zu umfangreich.

Abschließend nenne ich mal ein paar Kandidaten für diesen Tagg: gendern, genderkorrekt, ergoogeln, spoilern, liken (laiken), dissen, tweeten, twittern, taggen, Quengelzone, Gentrifizierung?, Prequel?, zeitkritisch, zeitnah, Mockumentary, casten, daten, wie jetzt!? ...
Hab grade in der Gruppe https://www.openthesaurus.de/synonyme/edit/24867 die SSD auf Hauptform gesetzt. Ich vermute, dass das von den angeführten Begriffen der gebräuchlichste ist. Mit Wörtern wie 'Festkörperlaufwerk' oder 'Halbleiterlaufwerk' könnte ich spontan nichts anfangen, die stehen normal vorne. Das heißt: Vorne stehen Wörter, von denen ich vermute, dass sie im Alltag völlig ungebräuchlich sind. Dabei steht 'Festplatte', was mir aber eher ein Oberbegriff zu sein scheint.

Vielleicht bin ich da desinformiert, dann müsste das jemand, der sich besser auskennt, wieder zurückbauen.
Hab's grade selbst mal ausprobiert: Die Sache mit dem "Mit..." hat den entscheidenden Nachteil, dass man jetzt den Mitchristen nicht mehr findet, und den Mitmuslim und Mitjuden ebenfalls nicht. Das ist natürlich auch ne Lösung...

Diese Wörter werden vermutlich als irgendwie synonym empfunden. Dazu zwei drei Anmerkungen:

Ein Rasen ist eine für überwiegend menschliche Nutzung angelegte Grünfläche zum Aufenthalt im Freien, ggf. für Sport. In der freien Natur gibt es keine Rasenflächen, dort würde man von Grasland sprechen. 'Rasen' bezeichnet auch den Rasentyp, denn je nach vorgesehener Verwendung werden verschiedene Grassorten-Mischungen eingesetzt (Zierrasen, Gebrauchsrasen, Sportrasen, Golfrasen usw.); die Standardmischung bei Anlage einer innerstädtischen Rasenfläche nennt sich übrigens 'Berliner Tiergarten'. Rasen wird regelmäßig geschnitten, in der Regel wöchentlich bis vierzehntägig, sonst siedeln sich auf ihm unwillkommene Pflanzen an.

Eine Wiese ist entweder eigentlich eine Rasenfläche, z.B. die Liegewiese im Freibad, oder eine Fläche, die zur Produktion von Grasfutter und Heu genutzt wird. Sie wird zwei bis fünfmal im Jahr gemäht, die fünf 'Mahden' sind nur bei intensiver Düngung möglich, wodurch die Artenvielfalt an Kräutern auf ein Minimum reduziert wird. Wenn sie nicht gemäht wird, wird sie in kurzer Zeit verbuschen. Auf einer Wiese steht das Gras normalerweise hoch, man soll es normalerweise nicht heruntertrampeln, weil es sich dann nicht mehr gut ernten lässt oder durch das Aufliegen auf dem Boden verdirbt. Naturnah aussehendes Grasland würde man 'Wiese' nennen: Rehe äsen auf einer Wiese, nie auf einem Rasen.

Eine Weide wird von Vieh beweidet und ist in der Landwirtschaft vermutlich daraufhin optimiert. Sie kann eingezäunt sein, damit die Tiere nicht weglaufen, es kann sich aber auch um offenes Land handeln, das z.B. von einem Schäfer genutzt wird.

Gras ist ein Sammelwort wie 'Gebüsch' für das Durcheinander an Graspflanzen auf Wiesen, Weiden oder Rasenflächen; es ist auch der botanische Oberbegriff für eine große Gruppe (Ordnung bzw. Familie, derzeit im Umbruch) einkeimblättriger Pflanzen, die auf solchen Flächen typische Bestände bilden. Die meisten einheimischen Getreidepflanzen gehören zu den Gräsern in diesem botanischen Sinne. Mit 'Gras' meint man eher den Bewuchs einer Fläche, den 'Grasteppich', die Fläche selbst würde man 'Rasen' oder 'Wiese' (oder 'Anger') nennen.

Zu welchem Wort ein Sprecher oder Schreiber greift, ist nicht beliebig: Wir lagen im Gras / auf dem Rasen / auf der Wiese hinterm Haus / wir überquerten die Weide - mit jedem dieser Wörter ergeben sich andere bildliche Vorstellungen, sie sind nur bedingt und nur im Einzelfall durcheinander ersetzbar.

Beim Gebrauch der Wörter kann es regionale Abweichungen geben.

Ich möchte das hier festhalten, weil es gelegentlich zu Vorschlägen kommt, dass Wörter auf einzelne Unterbegriffe verteilt werden sollten. Man könnte das hier auch machen. Ich selbst würde es hier nicht für sinnvoll halten, besser wäre es nach meiner Auffassung, die Unterschiedlichkeit der Inhalte durch Beispiele zu verdeutlichen.
 
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