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Ergänzung: Eine Möglichkeit, um Assoziationen präziser zuzuweisen, wäre, diese so zu handhaben wie die Gegenteile. Bei den Gegenteilen wird jeweils ein Wort benannt nach folgendem Muster: groß, Gegenteil 'klein' in: bedeutungslos, belanglos, nebensächlich ... Ebenso könnte man bei den Assoziationen verfahren, wobei die Möglichkeit, ein Wort aus der assoziierten Gruppe auszuwählen, am besten als Option anzubieten wäre, um darauf, wenn gewünscht, auch verzichten zu können. Im Fall 'Land der unbegrenzten Möglichkeiten' als Assoziation zu 'amerikanischer Traum' wäre das sehr günstig. Ich hatte gerade einen ähnlichen Fall, bei 'sich angegriffen fühlen' hätte ich gerne 'eingeschnappt' als Assoziation angemeldet, das ging aber nicht, ich konnte nur die Gruppen mit 'eingeschnappt' assoziieren, und da ist dann das Wort 'eingeschnappt' wieder nicht sichtbar.

Es gibt hier an vielen Punkten in OT das Problem der Sichtbarkeit. Was nicht sichtbar ist, wird logischerweise auch nicht wahrgenommen. Da helfen noch so viele Verlinkungen nicht, vorzuziehen wäre immer, so viel wie möglich sichtbar zu machen, also konkret anzuzeigen.
In https://www.openthesaurus.de/synonyme/edit/36827 wurde eine Reihe von Varianten des Wortes 'sortieren' zusammengestellt. Es gab das Wort 'sortieren' zuvor schon, auch als Teilwort, drei Assoziationen auf diese Vorkommen wurden hinzugefügt.

Eine Gruppe wie die hier neu aufgestellte ähnelt dem, was Wiktionary 'Unterbegriffe' nennt. Ich würde es eher als 'Ableitungen' (vom Stammwort 'sortieren') bezeichnen. Die Gruppe hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Wortfamlie, wobei hier im Bild gesprochen nur Geschwisterverhältnisse abgebildet werden und Wörter wie 'Sorte', 'Sorter' (am Kopierer), 'Ressort', 'Konsorten', 'Sortiment' usw. sind - natürlich - nicht dabei.

Zu den Bedeutungen, soweit ich sie verstehe, würde ich sagen:

- absortieren: mir persönlich unbekannt, ein Google-Treffer schreibt dem eine ähnliche Bedeutung wie 'kommissionieren' zu (eine Sendung in einem Lager zusammenstellen)

- aussortieren: entweder '(zum Wegwerfen) ausmustern', oder 'aus einer falschen Rubrik herausnehmen' ohne genauere Angabe, was dann damit passiert, also quasi 'umsortieren' ohne den Bedeutungsanteils des 'neu / besser Einsortierens' am richtigen Platz

- durchsortieren = einmal komplett (und gründlich) richtig sortieren, ein Durcheinander beseitigen

- einsortieren = in einer Rubrik unterbringen (materiell wie auch ideell, welch Letzteres wir hier ja ständig machen)

- wegsortieren = a) aussortieren, b) bezeichnet bei einer größeren Sortieraufgabe den bereits geschafften Teil (es wurde noch nicht alles wegsortiert)

Es gäbe noch: vorsortieren, nachsortieren, umsortieren, heraussortieren, auseinandersortieren, zusammensortieren und wohl noch ein paar, wenn man sucht.

Was ich damit sagen will: Diese Bedeutungen hängen natürlich alle miteinander zusammen, unterscheiden sich aber deutlich genug, um die Wörter auf verschiedene Gruppen zu verteilen, sie anders 'einzusortieren'. Den inhaltlichen Zusammenhang, der in dieser Gruppe sichtbar wird, erhält man bei OT auch, indem man 'sortieren' ins Suchfeld eintippt, woraufhin in der Sofortanzeige ein sehr großer Teil aller Vorkommen inklusive vieler Teilworttreffer angezeigt werden. Das funktioniert - leider - nicht perfekt, aber recht gut. Ich würde eher dafür sprechen, diese Sofortanzeige zu perfektionieren als Gruppen wie die hier thematisierte aufzustellen, was mit sehr vielen Verben möglich wäre.

Für mich stellt sich außerdem immer die Frage, wozu OT (und jeder einzelne Eintrag in OT) überhaupt gut sein kann. Es geht für mein Verständnis in erster Linie um Formulierungsalternativen, aber auch um bessere, präzisere Formulierungen. Wenn ich nach einem anderen Wort für 'einsortieren' suche, kann ich mit 'aussortieren' eher nicht so viel anfangen. Andererseits: Wenn ich nur 'sortieren' kenne und ein genaueres 'Sortieren' bezeichnen möchte, bekomme ich hier Vorschläge (bei denen übrigens Beispiele ganz nützlich wären). Das wiederum ist ein Punkt, der hier durch die Ober- und Unterbegriffskategorie abgebildet werden soll, was jedoch nur leidlich funktioniert, aber zumindest ist das die Idee: 'sortieren' als Oberbegriff, und alle Ableitungen als 'Unterbegriffe'. Das funktioniert deswegen nicht so gut, weil die Wörter immer in Gruppen vorkommen und dann 'Oberbegriffsgruppen' als Oberbegriffe dastehen, wobei die Oberbegriffseigenschaft oft genug nicht auf alle Wörter der Gruppe zutrifft, ganz abgesehen davon, dass sich aus einer Einteilung mit Hilfe logischer Kategorien bezogen auf den natürlichen Sprachgebrauch eine Reihe von Widersprüchlichkeiten ergeben, die manchmal zu karnevalesken Ergebnissen führen.
Soweit okay, aber wie kann man das auch sichtbar machen? Da gibt's ja einen ziemlich starken inhaltlichen Bezug, der sich nicht in dem Verweis auf das Land erschöpft, denn alles, was da steht, hat mit den USA zu tun, aber hier geht es um so etwas wie ein wesentliches Element der us-amerikanischen Identität, auch wenn das inzwischen ins Wanken geraten und nicht mehr so ganz auf der Höhe der Zeit ist. Der Unterschied ist eher, dass der 'american dream' ein Begriff aus der Binnenperspektive ist, das 'Land der unbegrenzten Möglichkeiten' eher die Phantasie der Zuwanderer, die jedoch ihren Traum vom besseren Leben mit ins Land importiert haben und mit dieser Vorstellung im amerikanischen Kollektivbewusstsein aufgegangen sind. Für mich ist der Gedanke, sich durch harte Arbeit nach ganz oben hochkämpfen zu können, genau das, was die 'unbegrenzten Möglichkeiten' - über die Weite des Landes hinaus - bedeuten. Dieser sehr starke Zusammenhang wird zerschnitten und unsichtbar, wenn er in den im übrigen selbstverständlichen Verweis auf die USA verschoben wird, wo er dann Mühe hat, hinter solchen Merkwürdigkeiten wie 'Land der unbegrenzten Dummheit' und 'VSA', die wieder mal weiter vorne rangieren, wo sie definitiv nicht hingehören, sich überhaupt Geltung zu verschaffen.

Oder sehe ich das falsch, dass es einen starken und deutlichen inhaltlichen Bezug gibt, der über die reine Geographie hinausgeht?

Hier mal ein Link zu einem Text, der das so ähnlich sieht wie ich es seinerzeit gemeint hatte:
http://www.wie-sagt-man-noch.de/wissen/lexikon/2134/Amerika-Das-Land-der-unbegrenzten-Moeglichkeiten-frueher-und-heute.html

Sowohl der deutsche Ausdruck als auch sein englischsprachiges Pendant 'land of opportunity' sind in Googlen Ngram Viewer ca. ab dem Beginn des 20. Jh. belegt, der englischsprachige ist unwesentlich älter. Möglicherweise beruht der deutsche Ausdruck, der keine Übersetzung ist, auf dem Buchtitel 'Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten' von Ludwig Max Goldberger, das bei Google mit dem Erscheinungsjahr 1903 ausgewiesen ist, wobei das eingescannte Exemplar die siebte Auflage darstellt und als Jahreszahl 1905 angibt. Dass Buchtitel (und später dann auch Film-, Fernsehserien usw. -titel) zu geflügelten Worten werden, ist ja recht häufig der Fall.
siehe https://www.openthesaurus.de/synonyme/edit/35109

Der Eintrag wurde aus der Gruppe gelöscht und von mir wieder eingetragen. Es handelt sich hier um Klischees, die bildlich und sprachlich verschieden ausgedrückt werden und daher in verschiedenen Formulierungen und syntaktischen Rollen auftreten. Um den Bezug zu den USA zu verdeutlichen, reicht eine bloße Assoziation 'USA' nicht, weil dort dieser Eintrag unter ferner liefen kommt und so nicht sichtbar ist. Eine Alternative wäre, das 'Land der unbegrenzten Möglichkeiten' als Solo-Eintrag anzulegen und als Assoziation zu verknüpfen. Das wollte ich jedoch nicht, weil der Bezug der Einträge untereinander doch recht augenfällig ist.

Es lässt sich hier in OT nicht alles mit buchhalterischer Präzision erfassen, ist nun mal so.

...

Nachtrag: Inzwischen habe ich den Kommentar von Synonymfresser zur Löschung entdeckt, da steht, ein Land ist kein Traum, und das stimmt. Es dann hier zu löschen, wäre eine Möglichkeit, gäb's vielleicht was Besseres? Irgendwie gehört es ja nun mal zusammen, denke ich.
zu finden in https://www.openthesaurus.de/synonyme/edit/7302

Dafür mag es viele google-Treffer geben, ebenso wie für 'VSA' als Abkürzung für die USA, wo auch immer das vorkommt. Was 'VSA' angeht, würde ich vermuten, dass dies irgendein Nischen-Sprachgebrauch ist, vielleicht im Sprachgebrauch des Auswärtigen Amtes oder wie auch immer. Wohl niemand würde kontextfrei darauf kommen, dass damit die USA gemeint sind. Ich denke z.B. als erstes an den (Ex-) VSA-Verlag in Hamburg, der eine Reihe innovativer Reiseführer herausgebracht hatte (Stadtspaziergänge). Es wäre m.E. sinnvoll, den Kontext, in dem diese Abkürzung benutzt wird, durch Beispiel oder Tag oder Kategorie zu verdeutlichen.

Was das Land der unbegrenzten Dummheit angeht: Wie wäre es zusätzlich mit 'Land des unbegrenzten Schusswaffengebrauchs', 'Land der unbegrenzbaren Fettleibigkeit', 'Land der unbegrenzten Wachstumsgläubigkeit', 'Land der unstillbaren Ölabhängigkeit'? Ich will damit sagen: Natürlich lädt die Ausgangsmetapher 'Land der unbegrenzten Möglichkeiten' dazu ein, sie zu persiflieren, karikieren, parodieren, abzuwandeln, und einige dieser Varianten bringen es zu einer gewissen Verbreitung. Aber wieso soll 'unbegrenzte Dummheit' ein Privileg der USA sein? Diese Zuschreibung an die Adresse der USA ist eine für meine Begriffe recht platte Pauschalisierung, die in Zeiten öffentlicher Auftritte solcher Abstruslinge wie Trump - und vor ein paar Jahren Sarah Palin - relativ berechtigt erscheint, das ist aber - hoffentlich - vorübergehend, ebenso wie die Formel von der 'unbegrenzten Dummheit' der USA.

Man könnte jetzt sagen: Ja aber es gibt hier doch auch das 'Land der Richter und Henker' für Deutschland! Da steht jedoch dabei, dass es sich auf undemokratische Regime auf deutschem Boden bezieht, sprich auf das 'Dritte Reich' und die Ex-DDR, ganz abgesehen davon, dass es vom Bauprinzip her ein geniales und zu bitterem Lachen einladendes Wortspiel ist. Auch dieses Sprachbild habe ich schon auf andere Länder bezogen gelesen, z.B. auf den Iran, auch hier ist also die Zuordnung nicht eindeutig.

Ich würde übrigens bei 'Land der unbegrenzten Dummheit' je nach Textzusammenhang nicht unbedingt sofort an die USA denken. Um es kurz zu sagen: Ich finde, es gehört da nicht hin. Ich werd's aber nicht löschen, denn es spricht in seiner Naivität für sich selbst. Es kann allerdings sein, dass ich da etwas verpasst habe und dass sich der Ausdruck inzwischen für die USA eingebürgert hat.

(Wir hatten übrigens mal etwas Ähnliches, nämlich die 'braune Esoterik' - oder war es 'Braune' groß geschrieben? - sozusagen als 'Fachbegriff'.)

Was die große Zahl an Assoziationen bei dieser Gruppe angeht: Dies sind alles keine Assoziationen im weiteren Sinne. Eigentlich hat so etwas für meine Begriffe in einem Thesaurus, wenn überhaupt, nur dann etwas zu suchen, wenn deutlich gemacht wird, dass es sich um Begriffe handelt, die deutlich außen an der Peripherie der Gruppe anzusiedeln sind. Und was kann einem beim Stichwort 'USA' nicht noch alles einfallen, das ist ja längst nicht abgeschlossen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch einmal unterstreichen, dass ich die Notwendigkeit sehe, einen sehr klaren Trennungsstrich zwischen 'Synonymen im weiteren Sinne' und quasi-beliebigen Assoziationen zu zu ziehen.
Sehr interessanter Verweis auf den Wikipedia-Artikel.

Was die Frage angeht, wann eine Trennlinie der Bedeutung gezogen werden soll - bezogen auf OT: wann eine Verlagerung in eine neue Gruppe ansteht - verstehe ich den Standpunkt, dass man es damit auch übertreiben kann. Ich verhalte mich da durchaus nicht immer gleich 'pedantisch'. Als *ein* Beispiel unter vielen mag das Feld um 'unwichtig' dienen ( https://www.openthesaurus.de/synonyme/edit/468 ). Wenn man da durch die Assoziationen spaziert, kriegt man eine ganze Menge geliefert, was in der Ursprungsgruppe natürlich nicht alles bereits enthalten war. Diese Assoziationen haben ihrerseits alle einen anderen semantischen Kern, zumindest war das die Absicht bei der Aufstellung der einzelnen assoziierten Gruppen. Das ist alles nicht das letzte Wort, sondern ein Anfang. Man kann da anders einteilen, zusätzliche Gruppen mit anderen Perspektiven aufstellen, wobei auch das bereits vorhandene Wortmaterial noch einmal anders beleuchtet wird, usw.

Zum Unterschied zwischen 'vonseiten' und 'aufseiten': Beides hört sich für meine Ohren in vielen Fällen erst einmal ziemlich ziemlich juristenverquast an, aber gut. Der Unterschied, den ich sehe, hat einen starken Bezug zum Thema 'Wechselpräpositionen', also zu Präpositionen, die je nachdem, ob sie eine Lage oder eine Richtung angeben, mit dem Dativ oder dem Akkusativ verbunden werden: 'vonseiten' ist eine Richtung, aus der etwas kommt, 'aufseiten' eine Lage bzw. ein Ort, an dem sich etwas befindet. Das drückt sich auch sehr schön in Deinen beiden letzten Beispielen aus, denn es würde eher nicht heißen: '?Auf Seiten einer uns nahestehenden Kanzlei liegt uns die Information vor...', und bestimmt nicht '*Auf Seiten einer uns nahestehenden Kanzlei erhielten wir die Information...'. Nach meinem Dafürhalten ist das ein Unterschied, dem man beim Aufstellen von Synonymgruppen nicht wegplanieren sollte, indem man dies alles in einer Gruppe unterbringt. Man kann an dem Punkt anderer Ansicht sein, aber als ich das Beispiel von Daniel bei 'aufseiten' gelesen hatte, wusste ich sofort, dass das bei 'durch' im Sinne von 'vonseiten' nicht gut untergebracht ist. Ich finde das auch, ehrlich gesagt, keiner weiteren Diskussion wert, das ist für mich offensichtlich und trivial und alles andere als übertrieben akribisch.

Dass in juristisch angehauchten Texten so etwas durcheinandergehen mag, wird wohl so sein. Es gibt aber für mich auch das Kriterium 'richtig' oder 'falsch', mit allen durch verschiedene Soziolekte, Dialekte Regiolekte und sonstige -lekte bedingten Variabilitäten, wobei ich nicht ein deutschlehrerhaftes 'falsch' meine, sondern ein aus dem Sprachsystem begründetes. Darüber gibt es nicht enden wollende Diskussionen, das kann ja auch hier im Forum thematisiert werden.

Insofern denke ich auch, es gibt hier manchmal falsche Einträge, manchmal sogar grob falsche, und ich halte es für nötig, das dann zu korrigieren.

Eine 'strikte Bedeutungsgleichheit' ist absolut nicht mein Ziel, so etwas kann hier auch gar nicht erreicht werden, und den Beweis dafür, dass ich das relativ großzügig handhabe, habe ich hier inzwischen wohl tausendfach erbracht.

Was den Verweis auf Dudens sinn- und sachverwandte Wörter angeht: Ich habe nicht die Zeit, das immer im einzelnen nachzuschlagen, auch das Buch nicht hier, aber ich habe Textor, Wehrle-Eggers, und es gibt den Online-Duden mit überreichlich Synonymen und etliche weitere Synonymsammlungen, zusätzlich die zweisprachigen Online-Wörterbücher, die inzwischen ziemlich gut sind, und das Wörterbuchnetz und DWDS und Wortschatz.Uni-Leipzig und Wiktionary und und und, und in all dem schaue ich nach und orientiere mich, da sind die sinn-und sachverwandten Wörter von Duden nur eins unter vielen - die aktuelle Ausgabe heißt im Haupttitel 'Synonymwörterbuch', nur noch im Untertitel 'Sinn u. sachverw.' und hat möglicherweise ein anderes Konzept als die ältere Ausgabe mit den 'Sinn- und sachverwandten' im Haupttitel. Sie ist, was die Synonymgruppen angeht, mit dem Online-Duden deckungsgleich, ich habe das an Stichproben überprüft, allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, dass die Online-Ausgabe ein Hypertext ist, in dem die meisten Wörter verlinkt sind, wohingegen man in der Papierausgabe umständlich hin- und herblättern muss und endlos Zeit nur fürs Suchen draufgeht.

Übrigens stellt sich an diesem Punkt die Frage, wozu überhaupt noch eine weitere Synonymsammlung gut sein soll, wo es doch die sehr gute Zusammenstellung des Duden online verfügbar gibt!? Eine meiner Antworten dazu wäre, dass wir es in OT eben nicht so machen, wie der Duden, sondern uns ein eigenes Profil erarbeiten - was schwierig genug ist.

Welches Konzept sich hier bei OT im Laufe der Jahre herausbilden wird, ist nicht ausgemacht. Das hängt von dem ab, was die Interessierten beisteuern, und da ist grundsätzlich alles willkommen. Nur, wie gesagt, 'falsch' sollte es nicht sein - oder dann als solches gekennzeichnet werden, einige 'Fehler' sind ja ziemlich populär und an denen kommt man auch nicht gut vorbei - und eine Synonymgruppe sollte einen erkennbaren, schlüssigen, nachvollziehbaren und gegen andere Gruppen abgrenzbaren inhaltlichen Zusammenhang haben. Das wird im Laufe der Zeit zwangsläufig präziser und differenzierter, vieles erkennt man erst, indem man sich eine Weile damit beschäftigt.
Hab das hinzugefügte Beispiel gesehen und die beiden in eine neue Gruppe geschoben - auch wieder so eine Nuancen-Sache, die schwer zu fassen ist; 'aufseiten' und 'vonseiten' scheinen ineinander überzugehen und sind in manchen Fällen austauschbar, zumal beides etwas formelhaft rüberkommt. Dennoch vermute ich einen Bedeutungsunterschied. Habe versucht, das durch Beispiele zu verdeutlichen, bin damit aber noch nicht fertig.
Prima, werde ich bestimmt gut nutzen können. Danke!
Nein, haben Sie nicht. Den polemischen Ton in ihren rhetorischen Fragen können Sie sich an dieser Stelle ruhig sparen. Es wäre zweckdienlich, wenn Sie auf meine Argumente eingingen und versuchten, sich inhaltlich mit dem auseinanderzusetzen, was ich in langwieriger Arbeit dazu beigetragen habe. Man kann jedes Wort substantivieren, und man kann aus jedem Adjektiv durch Anhängen von -sein ein neues Substantiv kreieren. Diese alle hier aufzuschreiben, kann nicht sinnvoll sein. Die Stelle in dem Lehrbuch verweist für mich auf Lebendigsein im Sinne von 'Bewegung', Stattfinden von Prozessen. Eine Ersetzung des Wortes 'Lebendigsein' in dem Text von (ursprünglich) Thorndike ergäbe: "Affen ... erfreuen sich an Gefühlen, genauso wie es ihnen Spaß macht, Bewegungen auszuführen. Das seelische Dasein an sich ist schon ihre Belohnung." bzw. "... die seelische Existenz an sich ist schon ihre Belohnung." Beide Ersetzungsproben liefern für mich unverständliche und den Argumentationszusammenhang verleugnende Ergebnisse, da geht es nämlich ziemlich klar um eine Fortführung des Gedankens mit der Bewegung. Ein Satz wie "Die Existenz des Seelischen überhaupt (zu erleben), ist schon ihre Belohnung" könnte Sinn ergeben, wäre auch halbwegs nahe an dem dran, was Thorndike ausdrücken wollte, ist aber stilistisch nicht gut. 'Lebendigsein' ist nun mal kein gutes Synonym für '(das) Dasein', und um diese Frage geht es hier.

Liefern Sie einfach eine Stelle, in der 'Lebendigsein' ohne substantielle Änderung des Inhalts durch 'Dasein' ersetzt werden kann, oder zeigen Sie auf, dass das in dem Beispiel von Thorndike entgegen meiner Interpretation funktioniert. Das wird voraussichtlich nicht möglich sein, denn dann müssten Sie für 'Lebendigsein' eine Belegstelle finden, in der es eben nicht 'lebendig sein' bedeutet, sondern 'überhaupt existieren'. Und genau aus diesem Grund hatte ich in meinem ersten Erklärungsversuch geschrieben, dass es ein 'Lebendigsein an sich' anders als ein 'Existieren an sich' meines Erachtens eigentlich nicht geben kann, es sei denn, man benutzte es metasprachlich.

Ich wiederhole daher meine Frage: Wenn schon 'Lebendigsein' aufzunehmen wäre, wäre es dann nicht in einer Gruppe '(das) Aktivsein / Muntersein / Lebhaftsein usw.' besser aufgehoben?

Ebenfalls wiederholen möchte ich meine Aufforderung an Sie, zu versuchen, mich (mit Argumenten) zu überzeugen, anstatt in polemisierender Weise mir Denkschemata nahezulegen, die allenfalls Ihre Gekränktheit zum Ausdruck bringen, anstatt für die erforderliche inhaltliche Diskussion einen Beitrag zu liefern.
Soweit ich sehe, scheint jetzt alles okay, danke Dir. oJ
Hallo misimonds,

Danke für die Antwort. Die Duden-Stelle hatte ich auch gesehen und drüber nachgedacht. Der Duden hat Lebendigsein nicht in sein Wörterverzeichnis aufgenommen, sondern benutzt hier den substantivierten Infinitiv als gelegentliche Wortbildung, um das Wort 'Lebendigkeit' zu erklären, als eine von zwei 'Bedeutungen'. Das wird dort relativ häufig so gemacht. Grundsätzlich würde ich mich dagegen aussprechen, alle Wörter, die man bilden kann, in OT aufzunehmen. Wichtig wären vor allem Wörter, die mehr oder weniger häufig verwendet werden. Man kann alle Adjektive mit einem angehängten Sein in ein substantiviertes Verb verwandeln: das Rotsein, das Italienischsein, das Flexibelsein usw. Es wäre meines Erachtens nicht sinnvoll, die alle hier mit aufzuschreiben.

Was das Buch von Ruch/Zimbardo angeht, würde ich vorab davon ausgehen, dass es bei einem Lehrbuch der Psychologie nicht von vornherein um Alltagssprache handelt. Auch im akademischen Sprachgebrauch werden häufig Wörter 'im Vorbeigehen' erfunden, um einen neuen Gedanken auszudrücken. Nur weniges davon geht in den allgemeinen Sprachgebrauch über und wird ein festes 'Wort'. Es wird kein Zufall sein, dass in dem Satz vor dem, der das Wort 'Lebendigsein' enthält, von 'Bewegung' die Rede ist. Für mich nimmt das Wort 'Lebendigsein' darauf Bezug: 'seelisches Lebendigsein' heißt, dass in der Seele etwas geschieht, etwas in Bewegung ist, Gefühle entstehen und vergehen. Um jetzt zu unserem Hauptthema zurückzukommen, nämlich den Synonymen: Ich denke nicht, dass irgendeines der anderen Nomen der Gruppe in dem Satz von Ruch/Zimbardo das Wort 'Lebendigkeit' in der von Ruch/Zimbardo gemeinten Bedeutung voll ersetzen könnte, am ehesten ginge noch 'Leben', aber 'Leben' und 'Lebendigsein' sind - jedenfalls für mich - zwei Begriffsinhalte, die sich unterscheiden, oder?

Mir fallen übrigens zwei feste Wendungen ein, in denen 'lebendig' eigentlich 'lebend' bedeutet: "tot oder lebendig" und "mehr tot als lebendig". Hier bedeutet 'lebendig' tatsächlich nur 'noch am Leben'. Beide kommen auch mit 'lebend' vor, sind aber wesentlich seltener. In solchen Wendungen, die formelhaft gebraucht werden, ist oft eine Nicht-Standardbedeutung konserviert (klassisches Beispiel 'mit Kind und Kegel', wobei 'Kegel' = nicht-eheliches Kind).

Man könnte schließlich noch fragen: Wenn schon 'Lebendigsein' aufzunehmen wäre, wäre es dann nicht in einer Gruppe '(das) Aktivsein / Muntersein / Agilsein / Lebhaftsein usw.' besser aufgehoben?

Wenn ich nach dem Wort google, dann finde ich sehr vieles, was unter dem Stichwort 'alternative Heilmethoden' unterzubringen wäre. Google will ja auch verkaufen und lässt sich seine Klicks auf kommerzielle Seiten bezahlen, deswegen landet so etwas in seiner Trefferliste vorne. Mal ein Beispiel: "Entfesseltes Ich: Lassen wir los, was uns am Lebendigsein hindert jetzt kaufen." (Werbung für einen Buchtitel von M. Greisinger). Ich interpretiere den Buchtitel so: Lassen Sie los, entrümpeln Sie ihr Leben, fangen Sie an, richtig zu leben, hören Sie auf, nur (dahin) zu leben, leben Sie richtig lebendig, werden Sie endlich lebendig. Sie wissen nicht, wie? Kaufen Sie dieses Buch.

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Wenn meine Argumente Dich (Tschuldigung, wir duzen uns hier normalerweise, "Sehr geehrter Herr oder sehr geehrte Frau misymonds" würde sich auch etwas seltsam ausnehmen)) nicht überzeugen, dann schreib's halt in Gottes Namen wieder dazu, ich kann Dich nicht daran hindern. Das Projekt OT funktioniert mehr oder weniger demokratisch, ein Machtwort kann hier nur der Admin sprechen, aber der hält sich aus allem möglichst heraus. Es ist hier allerdings insofern kein wirklich demokratisches Miteinander-Umgehen, weil so gut wie nicht diskutiert wird. Du bist eine rühmliche Ausnahme.

Du kannst übrigens auch versuchen, mich von Deinem Standpunkt zu überzeugen. Es ist immer drin, dass ich etwas übersehen, nicht verstanden oder dass ich sonstwie Fehler gemacht habe. Insofern ist es jammerschade, dass hier nicht wirklich diskutiert wird, damit ließe sich vieles richtig klären, denn wenn zu unserer Meinungsverschiedenheit ein paar Stellungnahmen abgegeben würden, könnten wir unsere eigene Position besser einschätzen.

Ich bin mir in dieser Diskussion einigermaßen sicher, nicht völlig danebenzuliegen. Ich weiß nicht, was ich noch tun kann, um deutlich zu machen, was ich meine.

Grüße von: old Joe
Ja nee ist klar, den mit 'ihr' hab ich neu anlegen müssen, der war weg. Ich hatte dich so verstanden, dass Du die alten ohne 'ihr' auf die das neue ':du-Sie-ihr-variabel' umstelltst, damit man das nicht bei jedem einzeln machen muss. Ich hatte darum gebeten, dass die Tag-Bezeichnung geändert wird, weil ich mir das als die einfachste Möglichkeit vorgestellt hatte, und Du hattest geschrieben, das sei erledigt. Also wenn das erledigt war, was hattest Du denn gemacht? Wieso musste ich den :du-Sie-ihr-Tag neu anlegen, wenn Du das erledigt hattest?

Grüße oJ
Das ':du-Sie-ihr-variabel' war vorhin in der Tag-Liste nicht mehr da. Dazu hatte es dieses Posting gegeben: https://www.openthesaurus.de/jforum/posts/list/452.page. Es gibt jetzt noch 15 mal ':du-Sie-Variabel' und einmal ':du-Sie-ihr-variabel', von mir neu angelegt. Da könnten ein paar Tags von der Bildfläche verschwunden sein...
Hi misymonds, ich hab dieses 'Lebendigsein' aus der Gruppe https://www.openthesaurus.de/synonyme/edit/5239 herausgenommen.

Begründung: Es handelt sich um ein substantiviertes Verb, und alle Verben können im Infinitiv substantivisch gebraucht werden. Ich habe es als Verb in die Gruppe 'leben / am Leben sein' hinzugesetzt.

Aber auch, wenn wir alle Verben noch einmal als Nomen aufführen würden, würde es m.E. nicht in die Gruppe passen. Hier geht es um das Existieren und nicht um das Noch-nicht-tot-Sein, obwohl man das nicht ganz scharf trennen kann. Die Blickrichtung ist jedoch eine andere. Ich bezweifle, dass es so etwas wie ein 'Lebendigsein an sich' überhaupt gibt, anders als '(das) Leben an sich'. Auch so eine an-sich-Ergänzung kann man übrigens mit allen (nominalisierten) Verben kombinieren und erhält dann so etwas wie 'das, was dieses Verb im Grunde bedeutet', das wäre metasprachlich, aber das soll ja nicht gemeint sein.

Wenn es ein schönes, nicht-metasprachliches Beispiel für das 'Lebendigsein an sich' gibt, kann man das wieder aufnehmen,

Von der ursprünglichen Bedeutung her sehe ich 'lebendig' auf einer anderen Schiene als 'lebend', es bedeutet für mich 'quicklebendig, springlebendig, vital, munter, lebhaft'. Es bedeutet allerdings tatsächlich auch 'lebend'. Die Frage ist, ob man immer auch 'lebendig' sagen kann, wenn man 'lebend' im Sinne von 'nicht tot' meint, vermutlich nicht. Beispiel: Mein Großvater ist damals noch lebend aus Stalingrad herausgekommen. Oder: In diesem LKW werden lebende Tiere transportiert. Oder: Der Oberboden enthält eine ungeheure Zahl lebender Mikroorganismen. In diesen Fällen könnte man, theoretisch, immer auch 'lebendig' sagen, aber man würde nicht so formulieren, jedenfalls nicht im Bundesdeutschen.

Beispiel für 'lebendig', so wie ich das als Kind mal kennengelernt hatte: Morgens liegt der Wellensittich mit den Krallen nach oben im Käfig. Die Frage ist, ob der wirklich tot ist. Ich stoße ihn an, er bewegt noch ein wenig die Füße, also ist er noch lebendig, wenn auch nur schwach.

Zum Teil ist es wohl auch so, dass 'lebend' attributiv (direkt beim Bezugsnomen) und lebendig im Sinne von 'nicht tot' prädikativ verwendet wird. Einen Patienten im Dauerkoma würde ich 'lebend' nennen, aber nicht 'lebendig', weil er sich (praktisch) nicht bewegt.

(Auch per Mail)
Bezug https://www.openthesaurus.de/synonyme/edit/16714

Hi Daniel, ich seh grad diesen Eintrag. Gibt's Belege - für 'aufseiten', nicht für 'von'?
 
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