Gebräuchlichkeit  XML
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old Joe
Niemand kennt sich in allen Lebensbereichen gut aus, Man kann sich zwar alles Mögliche zusammenlesen, aber wie es in der entsprechenden Wirklichkeit zugeht, das kann eine ganz andere Geschichte sein. Nur mal ein blödes Beispiel aus meinem begrenzten Erfahrungshorizont: In den 50erns hießen die Blinker noch Winker, und sie haben tatsächlich gewinkt, war nicht nur ne Lampe, sondern ein kleiner Winkarm, der aus der Seitenverkleidung herausklappte und zumindest bei den LKWs sich auch rauf und runter bewegte. Später lernte ich fahrschulmäßig das Wort 'Fahrtrichtungsanzeiger'. Weiß der Teufel, ob das noch in Gebrauch ist, da müsste man einen Experten für die StVO befragen. Inzwischen gibt es da wahrscheinlich technische Neuerungen, die wieder anders bezeichnet werden. Standardwort wäre m.E. immer noch Blinker. Ich könnte allerdings was dazu sagen, wo der (Groß)-Strauch aufhört und der Baum anfängt.

Ich frage mich nun, woher Synonymfresser die Beurteilungssicherheit nimmt, sich in quasi beliebigen, vor allem technischen und spezialwissenschaftlichen Gebieten, zuzutrauen, Aussagen darüber zu treffen, welche Synonyme gebräuchlich sind. Das ist in meinen Augen ein Ding der Unmöglichkeit. Ich selbst schaue auch oft in z.B. Wikipedia nach und bediene mich da, aber ich trage in OT möglichst nichts ein, das ich nicht mindestens mal gehört hätte, da ist der Horizont allerdings begrenzt. Vor allem stört mich bei dieser Überfülle von technischem und fachwissenschaftlichem Vokabular, dass es in keiner Weise überprüfbar ist. Ich selbst werde bei meinen Einträgen schon mal 'zurechtgewiesen' (nicht ernst gemeint), aber wer sollte Synonymfresser dabei korrigieren, dass z.B. Kreischgau, Kreischgebiet und Kreischland nicht dasselbe bezeichnen, wer kennt sich da schon aus?

Generell stellt sich auch die Frage der Veraltung und wie damit umgehen. Meiner Beobachtung nach veraltet Wortschatz heute wesentlich schneller. Dafür gibt es übrigens in OT keine Markierungsmöglichkeit, außer der Klammer-Prothese (veraltet, veraltend, neu seit ca. 2005 – alles natürlich subjektiv). Ich weiß nicht, wie schnell technischer Wortschatz veraltet, vermutlich nicht gerade langsam. Aus werbestrategischen und auch aus Gründen technischer Differenzierung werden ständig neue Bezeichnungen produziert. Ich weiß nicht, wie sinnvoll es wäre, die neue Bezeichnung für einen neu konzipierten Knetarm einer Brotteig-Rührmaschine in OT einzuführen, vermutlich wäre es nicht sehr sinnvoll.

Ich will damit nicht sagen, dass ich die Arbeit von Synonymfresser nicht wertschätze, im Gegenteil. Ich möchte jedoch diese kritischen Bemerkungen jetzt mal im Forum platzieren. Auch zu meinen Beiträgen gäbe es sicher viel Kritisches zu sagen. Nur her damit!
Admin
old Joe wrote:aber wer sollte Synonymfresser dabei korrigieren, dass z.B. Kreischgau, Kreischgebiet und Kreischland nicht dasselbe bezeichnen, wer kennt sich da schon aus?


Die Wikipedia kennt sich aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Kreischgau. Wie wäre es, wenn wir neue Wörter nur mit Belegstelle einführen? Also so, dass beim Anlegen des Wortes immer ein Satz oder eine Phrase als Beispiel angegeben werden muss und die Stelle (URL, Buch, ...) woher das Beispiel stammt? Da durch steigenden Umfang die Wörter fast zwangsläufig eher exotischer werden (weil so viele gebräuchliche schon erfasst sind) fände ich das sinnvoll.

Natürlich kann man den Synonymcharakter damit nur zeigen, wenn die Quelle explizit die Synonyme auflistet - das meine ich aber nicht, da das nicht immer realistisch sein dürfte.
old Joe
Bin wegen Belegstellen nicht entschieden, ich glaube Wiktionary verfolgt so einen Ansatz. Problem: Dann müssten es auch typische Beispiele sein, und die hat man sich oft schneller selbst ausgedacht, außerdem wird bei 'echten' Belegstellen immer auch einiges mitgeschleppt an Wortschatz, was man gar nicht haben will, und sowieso ändern sich URLs (nicht nur) für Belegstellen öfter mal, das müsste dann immer nachgepflegt werden. Wär schon ein ziemlicher Aufwand. Allerdings für die Exoten - halt ich für nicht von der Hand zu weisen, wär ne Möglichkeit... mal drüber nachdenken, werd ich mal ausprobieren per Kommentar an einzelnen Beispielen.
old Joe
Übrigens: Von den vielleicht 60000 Wörtern, die ein Student kennt, sind wahrscheinlich längst nicht alle erfasst. (Ich hab diese Zahl mal in einem Aufsatz von Dieter E. Zimmer gelesen, erscheint mir nicht unplausibel.) Hinzu kommen die Wortkombinationen, die eine Bedeutung tragen, die sich nicht aus den Einzelwortbedeutungen ergibt (aus dem Handgelenk (erledigen)). Da gibt es noch viel zu tun.

Ich betrachte OT als Werkzeug, um einige Vernetzungsstrukturen im Wortschatz abzubilden. Ob das assoziative Brücken sind oder Teil-Übereinstimmungen der Buchstabenfolge, nach Möglichkeit natürlich Bedeutungsähnlichkeit, all dies schafft Zusammenhalt, den darzustellen ist OT da. Diese Netze zwischen den Wörtern sind gut ausbaufähig. Und die Bedeutungs-Cluster pro Stichwort (Suchanfrage) lassen sich durchaus noch differenzieren und weiter entwickeln.

Es gibt noch jede Menge zu tun beim Normal-Wortschatz, da könnte der Exoten-Wortschatz erst mal warten, finde ich. Eine Frage der Priorität halt.
 
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